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In diesen Tagen ziehen Gruppen in Bittprozessionen von Dorf zu Dorf.  Lob, Dank und Bitte bekommen angesichts der Ohmacht in der Pandemie und vor allem angesichts des Krieges ganz neue Bezüge.

Wofür kann und möchte ich heute 2022 dankbar sein? Was liegt mir an Bitten besonders am Herzen? Für welche Wohltat und  heilende Erfahrung kommt mir ein Loblied über die Lippen? 
Die Wahllfahrer auf dem Bild haben sich von Junkershausen und Wargolshausen nach Hendungen  an einem frühen Sonntag morgen auf den Weg nach gemacht.  Nach zwei Jahren Pausen haben konnte endlich wieder nach Herzenlust ... wie zu alter Zeit ... von vielen Blasmusikern begleitet ... gewallt, gebetet und gesunden werden.  Doch was sind Anliegen, was ist die Haltung, die Bittprozessionen heute mit Sinn erfüllt?

Das solidarische Gebet mit den Menschen in der Ukraine stand an erster Stelle.  

Komm den Frauen und Kindern zu Hilfe, die aus der Katastrophe geflohen sind, um in ungewisser Fremde sicheren Schutz zu finden.
Alle: Wir bitten dich erhöre uns
Komm denen zu Hilfe, die von brutaler Gewalt geschunden und verwundet sind, mit ihren zerbrochenen Hoffnungen und Herzen
Alle: Wir bitten dich erhöre uns
Komm denen zu Hilfe, die Verantwortung tragen, damit Gespräche und Friedensverhandlungen gelingen, um Leid und Not zu lindern oder zu wenden und den Krieg bald zu beenden.
Alle: Wir bitten dich erhöre uns
Komm uns zu Hilfe, damit wir nicht mutlos werden und nicht aufhören in dieser Welt und Zeit auf dich zu hören und zu schauen, zu vertrauen und zu bauen.

Der Dank für das Selbstverständliche, das angesichts der Nachrichtenlage gar nicht mehr selbstverständlich ist, ist wichtiger geworden:
Es steht uns Menschen gut an, dankbar zu sein, für so Vieles im Leben:
Für die Gesundheit unseres Leibes
Für die Gesundheit unserer Seele
Für die Kleidung, die uns schützt und schmückt
Für Nahrung und Genuss
Für die Schönheit der Landschaften

Für die Menschen, die uns helfen
Für die Menschen, die manchmal unsere Geduld herausfordern ...

Für die Kinder mit ihrem Frohsinn und ihrem Zutrauen ...
Für die Großeltern mit ihrer Erfahrung und ihrer Freundlichkeit

Für die Kraft der Hoffnung
Für die Fähigkeit zu lieben
Für neuen Mut nach einem Misserfolg
Für Offenheit im Gespräch mit Anders-Denkenden

Natürlich sind auch das Lob für die Schöpfung, die Sorge um ihren Erhalt und die Bitte um gedeihliches Wetter und Segen für das alltägliche Tun  besonders im Blick auf den Klimawandel ein wichtiges Anliegen. Doch auch Anderes fand Eingang in die Bittprozession: Das Gespräch mit der Muttergottes, die uns barmherzig begleitet, "gerade wenn der Lack ab ist" , die Sorge um die Kirche zwischen Selbstgerechtigkeit und Belanglosigkeit und nicht zuletzt die Frage: Welche Kraft kann das Gebet überhaupt entwicklen?

Im gemeinsamen Gehen, Beten, Singen, Gottesdienst feiern, in der gemeinsamen Einkehr verbunden mit Wiedersehen, Geselligkeit, Lachen und Stärkung, im gemeinsamen Zurückgehen und Ankommen haben die Teilnehmer:innen die Kraft des Betens in Gemeinschaft wiederentdeckt. 

 

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